Geschichte

Kamptal: Weinbau zwischen Heiligenstein und Langenlois

Ein Weinzehent aus dem 11. Jahrhundert, Zisterzienser am Heiligenstein und ein bis zu 320 Millionen Jahre alter Sandstein: wie das Kamptal zu einem der erfolgreichsten Weinbaugebiete Österreichs wurde.

7 MinutenAktualisiert am 25. September 2026

Ein Fluss gibt den Namen

Von Mautern aus liegt das Kamptal gleich hinter Krems. Seinen Namen hat es vom Kamp, einem rund 150 Kilometer langen Fluss aus dem Waldviertel, der im Unterlauf nach Süden fließt und östlich von Krems in die Donau mündet. Hauptort ist Langenlois, laut Österreich Wein die größte Weinstadt des Landes.

Heute umfasst das Kamptal laut Österreich Wein 3.567 Hektar Rebfläche. Grüner Veltliner steht auf 55 Prozent davon, dahinter folgen Zweigelt mit 13 und Riesling mit 10 Prozent.

Frühe Spuren

Das Gebiet um Langenlois war laut Stadtarchiv Langenlois schon in urgeschichtlicher Zeit besiedelt, Funde gibt es aus allen prähistorischen Epochen. 1933 wurde in Zöbing ein 3,34 Meter langer Mammutstoßzahn gefunden, vom Burgstall bei Schiltern stammen Bronzeringe aus der Bronzezeit.

Auch rund um Schloss Gobelsburg kamen bei Grabungen und Kellererweiterungen laut dem Weingut immer wieder Funde aus Steinzeit, Bronzezeit und Römerzeit zutage. Wann genau hier der Weinbau begann, lässt sich daraus nicht ablesen.

Liubisa: Langenlois und der Weinzehent

Die älteste Namensform von Langenlois ist Liubisa. Sie ist in den Traditionsbüchern des Stifts Göttweig überliefert und wird in die Zeit zwischen 1072 und 1091 eingeordnet. Weil es in diesen Aufzeichnungen um den Weinzehent geht, ist mit der ersten Erwähnung des Ortes zugleich auch der Weinbau in Langenlois belegt.

Laut Stadtarchiv gilt als ziemlich sicher, dass der Name auf eine Wortwurzel mit der Bedeutung lieb oder lieblich zurückgeht. Später tauchen Formen wie Liubes, Lubes oder Leubs auf, die Kurzform Lois hat sich bis heute gehalten. Die Bezeichnung Langenlois ist erstmals 1413 belegt.

1171: Die Zwettler Mönche am Heiligenstein

Schloss Gobelsburg wird 1074 erstmals urkundlich erwähnt, mit einem Azzo de Gobatsburich, den das Weingut als Urvater der Kuenringer nennt. Auch das Zisterzienserstift Zwettl im Waldviertel ist eine Kuenringer-Stiftung, und dessen Mönche erhielten laut Schloss Gobelsburg 1171 ihre ersten Weingärten am Heiligenstein und am Gaisberg.

Am 17. September 1740 kaufte Stift Zwettl das Schloss um 40.000 Gulden dazu, mit weiteren Weingärten, die zum Teil bis heute im Besitz des Stifts sind. Nach einem Brand im Gutshof Kammern Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Verwaltung ins Schloss verlegt. Seit 1996 führen Eva und Michael Moosbrugger das Weingut als Pächter des Stifts.

Der Heiligenstein

Der bekannteste Berg des Kamptals ist geologisch eine Besonderheit. Am Heiligenstein stehen Konglomerate und rote, feldspatreiche Sandsteine, die laut Österreich Wein vor etwa 320 bis 250 Millionen Jahren unter trocken-heißem Klima abgelagert wurden, mit Geröllen vulkanischen Ursprungs. Der Berg hieß früher Hellenstein. Volkstümlich wird der Name mit der höllischen Sonneneinstrahlung erklärt, die hier ein heißes, trockenes Kleinklima schafft.

Die Terrassen am Südhang sind so steil, dass sich dort keine dauerhafte Lössauflage halten konnte. Gepflanzt ist vor allem Riesling, der hier kraftvolle, mineralische und sehr langlebige Weine ergibt.

Warum hier Wein wächst: Boden

Im Kamptal treffen vier Gesteinsarten aufeinander: Löss, Schotter, markante Kristallinzüge und rote, feldspatreiche Sandsteine und Konglomerate wie am Heiligenstein. Österreich Wein beschreibt das als buntes geologisches Puzzle, das von vergangenen Meeren und Vulkanen, von verlagerten Flussbetten und von eiszeitlichen Staubablagerungen erzählt.

Richtung Donau verändern sich die Böden. Dort bieten breite Löss- und Lehmterrassen gute Voraussetzungen für klassische, aber auch kräftige Grüne Veltliner. Deshalb können zwei Weine aus demselben Ort sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob sie vom Urgestein oder vom Löss kommen.

Warum hier Wein wächst: Klima

Klimatisch liegt das Kamptal zwischen dem heißen pannonischen Becken im Osten und dem kühlen Waldviertel im Nordwesten. Heiße Tage und eher zurückhaltende Nachttemperaturen geben den Trauben laut Österreich Wein große Aromafinesse und eine lebendige Säure.

Diesen kühlen Hauch aus dem Norden spürt man auch im Glas: Viele Kamptaler Weine wirken trotz Kraft frisch und beweglich.

Vom Gebiet Langenlois zur Kamptal DAC

Als eigenes Weinbaugebiet mit dem Namen Kamptal gibt es die Region erst seit der Weingesetznovelle 1993. Davor waren die Stadt Krems, mehrere umliegende Gemeinden und der Gerichtsbezirk Langenlois im Gebiet Kamptal-Donauland zusammengefasst. Seit 1993 umfasst das Kamptal den Gerichtsbezirk Langenlois.

Seit 2008 vermarktet das Kamptal seine gebietstypischen Weine als Kamptal DAC, zunächst mit Grünem Veltliner und Riesling. Seit dem Jahrgang 2024 sind auch Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder zugelassen. Ab dem Jahrgang 2025 dürfen für Kamptal DAC nur noch Trauben aus zertifiziert biologischer oder nach Nachhaltig Austria zertifizierter Produktion verwendet werden, mit einer Ausnahme für Erzeuger unter 5.000 Litern im Jahr. Laut Landwirtschaftsministerium ist das Kamptal damit das erste Weinbaugebiet Österreichs mit einer solchen Regel.

Keller unter der Stadt

Unter Langenlois ziehen sich alte Kellergänge. 1994 stießen Tuula und Gerhard Nidetzky beim Kauf eines Hauses auf einen historischen Weinkeller. Daraus entwickelte sich das Loisium. Die Weinwelt wurde 2003 vorgestellt, mit moderner Architektur oben und jahrhundertealten Kellergängen darunter.

Unser Tipp: Einmal den Heiligenstein hinaufgehen, oben über das Tal schauen und danach in Langenlois einen Riesling vom Heiligenstein neben einen Veltliner vom Löss stellen. Dann versteht man das geologische Puzzle, ohne ein Geologiebuch zu brauchen.

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