Ein junger Name für ein altes Weinland
Das Traisental liegt auf derselben Donauseite wie Mautern, ein Stück weiter östlich: ein breites Flusstal zwischen der Donau und St. Pölten, mit Orten wie Traismauer und Herzogenburg. Gegenüber, auf der anderen Donauseite, liegen Krems, Teile des Kremstals und der Wagram.
Als eigenes Weinbaugebiet gibt es das Traisental erst seit der Weingesetznovelle 1995, davor gehörte es zum Gebiet Donauland. Seit dem Jahrgang 2006 dürfen gebietstypische Grüne Veltliner und Rieslinge als Traisental DAC bezeichnet werden. Laut Österreich Wein umfasst das Gebiet 861 Hektar Weingärten und zählt damit zu den kleinsten des Landes.
Gräber und Traubenkerne aus der Bronzezeit
Im Traisental wurden die bislang größten bronzezeitlichen Bestattungsplätze Mitteleuropas entdeckt, in Franzhausen bei Nußdorf ob der Traisen. Das Gräberfeld Franzhausen I wurde vollständig ausgegraben und umfasst 727 Gräber, die meisten aus der frühen Bronzezeit.
In einem dieser Gräber wurden laut Weinland Traisental Reste der Wildrebe als Grabbeigabe gefunden, Österreich Wein spricht von Traubenkernen aus der frühen Bronzezeit. Sie gehören zu den ältesten Rebnachweisen in Österreich. Ein Beleg für Weinbau sind sie nicht, sie zeigen aber, wie früh die Rebe hier zu Hause war. Einige Fundstücke aus den Gräberfeldern zeigt das Urzeitmuseum in Nußdorf ob der Traisen.
Eine Situla und die Römer
Aus der Zeit um 450 vor Christus stammt die Situla von Kuffern, ein Bronzeeimer, der in der Gemeinde Statzendorf gefunden wurde und eine Trinkszene zeigt. Das Original liegt heute im Naturhistorischen Museum Wien. Weinland Traisental sieht darin einen Hinweis, dass gemeinsames Trinken hier schon lange eine Rolle spielte.
In der Römerzeit war Traismauer ein wichtiger Ort am Donaulimes, das Kastell blieb bis ins 5. Jahrhundert mit Truppen belegt. Laut Weinland Traisental brachten die Römer auch neue Techniken des Weinbaus ins Tal.
Salzburg, Passau und die Augustiner-Chorherren
Laut Weinland Traisental gehörte das Traisental im 8. Jahrhundert zum Missionsgebiet des Bistums Salzburg, und schon früh wurden Weingärten rund um Traismauer, Wagram ob der Traisen und Oberwölbling genannt.
Am 18. August 1112 gründete Bischof Ulrich von Passau im damaligen Mündungsgebiet der Traisen in die Donau ein Stift für Augustiner-Chorherren. 1244 wurde es wegen der ständigen Hochwassergefahr und des ungesunden Sumpfklimas nach Herzogenburg verlegt, wo es bis heute steht.
Laut Stiftsweingut Herzogenburg erwarb das Stift im 14. und 15. Jahrhundert Höfe und Weingärten in Wielandsthal. Bewirtschaftet wurden sie meist von Pächtern, die ein Drittel des Ertrags ans Stift abgaben. Der barocke Keller in Wielandsthal geht auf Jakob Prandtauer zurück, das darüberliegende Kellerschlössel auf Joseph Munggenast.
Krisen, Wiederaufbau und Kellergassen
Laut Weinland Traisental blieb der Weinbau über die Jahrhunderte ein wichtiger Teil des Lebens im Tal, aber nicht ohne Einbrüche. Missernten, Exportverbote und Preissteigerungen ließen die Produktion zeitweise zurückgehen, nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchsen die Rebflächen wieder.
Viele der Kellergassen, die das Traisental bis heute prägen, entstanden demnach im 18. und 19. Jahrhundert. Besonders bekannt sind die Ahrenberger und Eichberger Kellergassen zwischen Sitzenberg-Reidling und Traismauer. Mit weit über hundert Kellern zählen sie zu den längsten Kellergassen Niederösterreichs.
Warum hier Wein wächst: Kalk
Die überwiegende Mehrheit der Traisentaler Weingärten steht laut Österreich Wein auf Löss. Das markanteste geologische Element sind aber grobe kalkig-dolomitische Schotter, die die Ur-Traisen vor etwa 16 Millionen Jahren aus den aufsteigenden Kalkalpen heranbrachte und die großteils zu Konglomerat verfestigt sind. Zusammen mit kalkigen Sanden bilden sie den Untergrund von etwa einem Fünftel der Weingärten.
Laut Weinland Traisental ist die Talebene dem Acker- und Obstbau vorbehalten, vor allem Äpfeln. Wein wächst auf den Hängen, die nach Westen zum Dunkelsteinerwald und nach Osten zum Venusberg ansteigen. Bei Nußdorf liegen die Weingärten auf breiten Böschungsterrassen, nach Süden hin bei Reichersdorf, Getzersdorf und Inzersdorf werden die Terrassen deutlich schmäler. Den kalkreichen Böden schreibt Weinland Traisental zu, dass sich die Weine langsamer entwickeln, dafür aber besonders langlebig sind.
Warum hier Wein wächst: Klima
Zwischen Donau und Voralpen treffen gegensätzliche Einflüsse aufeinander. Kühle Luft aus den Bergen und Nordwinde sorgen für frische Nächte, warme Strömungen aus der pannonischen Tiefebene wärmen die Tage. Der kühle Südwestwind macht laut Weinland Traisental etwa 60 Prozent der gemessenen Windstunden aus.
Die Weingärten liegen laut Weinland Traisental auf 150 bis 450 Metern Seehöhe, oft in kleinen Terrassen. Im wärmeren Norden nahe der Donau wird früher gelesen, im kühleren Süden reifen die Trauben länger.
Was man davon heute noch sieht
Das Traisental ist das Gegenteil einer Postkartenregion, und genau das macht es spannend. Die Geschichte liegt hier nicht auf steilen Terrassen über einem berühmten Fluss, sondern in Kellergassen und in Museumsvitrinen.
Unser Tipp: Das Urzeitmuseum in Nußdorf ob der Traisen mit einem Spaziergang durch eine Kellergasse verbinden und dazu einen Traisentaler Grünen Veltliner vom Kalk probieren. Viel mehr Weingeschichte auf so engem Raum findet man selten.